SARS-CoV-2 aktiviert latente Viren bei fast der Hälfte der Patienten

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 kann latente Viren im menschlichen Körper aktivieren, die über Jahre in einem Ruhezustand verblieben sind. Eine im Fachmagazin Nature veröffentlichte Studie an über 1.000 Patienten, die bis Mitte 2021 aufgrund von COVID-19 hospitalisiert wurden, zeigt, dass dieser Prozess bei fast der Hälfte der Betroffenen auftrat. Die Analyse von Blutproben und Nasopharyngealabstrichen ergab, dass diese Reaktivierung auch bei Personen ohne vorbestehende Immunschwächen stattfand.

Am häufigsten wurde eine Aktivierung des Epstein-Barr-Virus (EBV) und des Cytomegalievirus (CMV) beobachtet. Während EBV primär während des Krankenhausaufenthalts nachweisbar war, stieg die CMV-Aktivität meist erst einige Wochen später an. Parallel dazu zeigten Anelloviren – eine Gruppe von Erregern, die bislang als harmlos eingestuft wurden – eine ähnliche Dynamik über den Zeitraum der Hospitalisierung und die darauffolgenden Wochen.

Die Daten belegen eine Korrelation zwischen der Reaktivierung dieser Viren und einem schwereren Verlauf der COVID-19-Erkrankung in den ersten Wochen. Ein direkter Zusammenhang zwischen EBV und typischen Long-COVID-Symptomen wie Fatigue oder „Brain Fog“ konnte jedoch nicht bestätigt werden, was früheren Hypothesen aus kleineren Studien widerspricht. Festgestellt wurde hingegen eine Verbindung zwischen Anelloviren und einer erhöhten Aktivität weißer Blutkörperchen, was auf eine gestörte Immunregulation hindeutet.

Die Aussagekraft der Ergebnisse wird dadurch begrenzt, dass alle Studienteilnehmer ungeimpft waren und frühe SARS-CoV-2-Varianten durchmachten. Laut Experten sind klinische Studien zu Medikamenten, die die Virusreplikation blockieren könnten (beispielsweise aus der HIV-Therapie), notwendig, um die Rolle von Herpesviren beim Post-COVID-Syndrom abschließend zu klären. Aktuell befinden sich solche Ansätze in einem frühen Stadium und stellen keinen etablierten Behandlungsstandard dar.

Wichtig: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Beginnen, beenden oder verändern Sie eine Behandlung nicht ohne Rücksprache mit einer qualifizierten medizinischen Fachkraft.

Quelle: Dieser Artikel wurde auf Grundlage einer russischsprachigen Originalveröffentlichung von Pravda.Ru erstellt.

Author`s name Petr Yermilin
X